Alhambra (13. September 2017)

Angesichts der Reichweite des AACB-Newsletters ist es kein Ding der Unmöglichkeit spontan Outdoorkameraden zu finden – selbst unter der Woche. In dem Sinne möchte ich alle ermutigen, dieses Tool auch zu nutzen (http://aacbasel.ch/touren-ausschreiben/).

Mit Sandro habe ich für das Projekt Alhambra (18 SL, 6b, Abs: super) einen Kletterpartner gefunden, der mich optimal ergänzt. Ihm, dem Boulderer mit Bizeps „we omkehrt chönguränze“ konnte ich die steilen, athletischen Passagen überlassen. Um uns als Seilschaft einzuspielen und wieder aufs Neue an die Tessiner Gneisskletterei zu gewöhnen, sind wir ins Val Onsernone gereist. Über dem Dorf Berzona befinden sich der Sektor Max Frisch, dem zeitweise im Dorf lebenden Literaten gewidment, mit lohnenden Mehrseillängen im 6. Franzosengrad. Höhe und die Südexponiertheit bedingt bieten sich die Touren eher im Spätherbst an, aber für September war es ausserordentlich kalt mit Schneefall bis 1500 m ü.M. Bei zügigem Wind trafen wir in den tiefgelegenen Plattenfluchten des Sopraceneri auf ideale Klettertemperaturen.

Mit „Ad un Angelo caduto dal cielo“ (6c+, 5c+ oblig., Abs.: super) kletterten wir die Aushängetour des Gebietes und gleichzeitig zugänglichste Route im Sektor. Die Schwierigkeit beläuft sich homogen auf 5c, was allerdings auf Tessiner Platten heisst: wacklige Reibungskletterei an Kreditkartengriffen. Die kurze 6c+ Schlüsselstelle über eine Aufschwungskante haben wir A0 überwunden.

Als nächstes wählten wir „Nâlân“ (6a+, 5c+ obl.,Abs.: super) im Sektor „Cose Preziose“. Bei Andrang im Hauptsektor empfielt sich die Route sehr und sie hat ihre 3-Sternebewertung verdient.

Nâlân 2. Seillänge mit Ausblick bis zum Lago Maggiore.

Den Tag krönten wir mit der Begehung der „Via Vegia (5c+, Abs.: gut, alpin). Die Route ist schon einiges moralischer, denn auf den Platten ist ohne Rücksicht auf die Schwierigkeit in doppelt so weitem Abstand gebohrt, wie bei den anderen Routen. Es sollten auch unbedingt ein paar Cams mitgenommen werden, denn die Route folgt etwa 15 Metern einer Schuppe, die es selbst abzusichern gilt (Grösse 0.3 mitnehmen, nach oben hin wird der Riss sehr eng).

Die ersten 8 Seillängen fordern Plattenschleicherei zum Erreichen der eigentlichen Head Wall.

Am nächsten Morgen krochen wir um 6.30 Uhr für Sportkletterverhältnisse sehr früh aus dem Schlafsack. Um 8.00 wollten wir in die Alhambra einsteigen. Dieser Neo-Klassiker (1997) ist weitherum ein Begriff und sucht in Bezug auf die Länge seinesgleichen. Wo kann man in den Alpen schon eine 600-Meterwand überwinden in mediterranem Klima.

Selbst unter der Woche herrscht hier reger Andrag. (Bild unten). Zwei pfälzische Kletterer verursachten Stau, unbeholfen und unvorbereitet auf die plattige Schlüsselstelle in der 4. Seillänge. Die ist allerdings besonders schwierig, es gilt „nichts stehen und nichts halten, dann weiter“.

Mit einem Doppelüberholmanöver gelang es die Seilschaften nach Schnelligkeit zu ordnen. Mit unserem mittleren Platz waren wir sehr zufrieden und für den Rest der Tour von anderen Seilschaften ungestört.

Im mittleren Teil folgen sehr atletische Klettereien und für die Head Wall braucht es nochmals richtig Ausdauer. Auf eine erneut, brutale 6a-Platte folgt die eigentlich schwierigste 6b-Seillänge der Tour mit anhaltend drückender Leistenkletterei. Nach 18 Seillängen waren wir beim Ausstieg dann auch froh, es geschafft zu haben.

Die 17. Seillänge (6a). Genusskletterei mit Tiefblick

Teilnehmer:

Sandro (Interessent) und Claudio (Text)

 

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