Biferten Frondienst I oder ‚The dark side of Kistenstöckli‘ (31. Mai – 2. Juni 2019)

In Brigels beim Volg komplettiert sich die Mannschaft im strahlenden Sonnenschein bei sommerlichen Temperaturen. ÖV-Jens stösst zu PW-Max, -Patrick und -Matthias, und begeistert vom Höhengewinn dieseln wir zur Alp Quader hinauf. Vermeintlich gut informierte Quellen hatten gestreut, gleich nach der Alp begänne der Schnee. Nach dem ersten Augenschein starten wir aber doch etwas skeptisch mit aufgeschnallten Skis/Schneeschuhen und nach etwa 300 Hm haben wir dann zuverlässig Schnee unter den Füssen.

Spätestens ab der Alp Rubi Sura sind wir wirklich zurück in Skitourenland, die Schlepperitis fällt von uns ab und wir werden von einem benignen Alpinismus ergriffen (unheilbar). Zügig erreichen wir jetzt die Hütte. Jens als Vorhut und Auskenner (die anderen sehen die neue Hütte zum ersten Mal) empfängt uns mit einem Rätsel: Wie kommen wir ins Haus? Unser Schlüssel schliesst nicht! Natürlich finden wir am Ende doch einen Weg hinein und machen es uns zwischen diversem Baumaterial gemütlich. Kleine Haushaltsaufgaben und technische Herausforderungen (moderner Gasherd geht nur wenn die Solaranlage in Betrieb ist. NC-Ventile!) meistern wir souverän. Der Herd ist u.a. enorm wichtig, weil die Wasserquelle noch vereist und unauffindbar tief unter dem Schnee vergraben liegt.

Der Hausberg am Abend des 31. Mai

Unsere Männer-WG ist jetzt gut eingespielt. Gelassen macht Patrick aus einem vermeintlich winzigen Lebensmittelvorrat herzhafte und reichhaltige Mahlzeiten, so dass niemand hungern muss. En passant werden ein paar kleine Jobs für den Frondienst erledigt. Mit Begeisterung stürzen wir uns aufs Schneeräumen, pfaden um die Hütte herum, enteisen die Terrasse und graben den Schopf aus, der nordseitig bis zum Dach im Schnee verschwunden ist. Aber fürs ‚chillen‘ bleibt Raum. Max bringt sogar noch Energie auf, um Nachts die Sterne zu photographieren. Die Biferten als Selbstversorgerhütte taugt uns! 🙂

Das Hüsli, mal ganz romantisch (Max‘ Magic 😉 )

Frühstück in der Sonne

Den Schopf freischaufeln

Am Sonntag ganz früh ist für Jens und Matthias Schluss mit dem Dolce Vita: Im alpinen Stil wird das Kistenstöckli angegangen! Ohne Zwischenlager und Materialdepots passieren sie die Ostflanke. Auf ca 2620m überqueren sie in der Morgensonne den Nordsattel, um gleich darauf wieder auf der dunklen Westseite im Schatten zu verschwinden. Auf bretthart gefrorenem Firn gehts unter dem felsigen Gipfel entlang und im Glarnerland sind die Harscheisen für einmal wirklich sehr nützlich. Nach dem Skidepot geht es am SW-Grat den harten Schnee hinauf. Bald wird aperer Fels erreicht und dann auch die Kette, die den Weg zum Gipfel sichert. Leider verschwindet kurz unter dem Gipfel die Kette wieder unter dem eisigen Schnee. Ohne Steigeisen/Pickel geht hier nichts mehr, das Risiko ist im Falle eines Falles einfach zu gross. Zurück bei den Skis zeigt sich aber auch der Südhang noch zuverlässig stabil, etwas Gutes muss der harte Schnee ja haben, und mit Schwung und hohem Endorphinpegel gehts zurück zur Hütte.

Skidepot unter dem Kistenstöckli-Gipfel

Nach dem Z’nüni (Pasta, pomodori secchi, tofu frittato …) wirds ernst: Zusätzlich mit je einem 35l Sack alter Bettwäsche beladen, verdoppeln wir etwa das Volumen unserer Rucksäcke. Nichts desto trotz gelingen im perfekten Firn noch einige schöne Schwünge, bevor Schluss ist mit Skifahren. Der Fussmarsch zur Alp Quader ist inzwischen nicht kürzer geworden, aber bekanntlich helfen ja bergab alle Götter und so versammeln sich vier gut gelaunte Frondienstler bald wieder beim Auto.

Mit schweren Rucksäcken auf dem Weg von der Hütte zurück ins Tal. Im Hintergrund das Kistenstöckli.

Die Bifertenhütte wartet auf die nächsten Frondienstler, die Wirtsleute und die Sommergäste

Blick zurück auf die letzte Skitour der Saison

Teilnehmer: Jens, Matthias, Max, Patrick

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