Fasnachts-Powdertraum im Obergoms (4.-8. März 2017)

Für die Fasnachtsskitouren, ein Klassiker im AACB-Programm, war eine Gebietsdurchquerung mit hohen Gipfeln im Rätikon geplant. Doch Wetter und Verhältnisse machten einen Strich durch die Rechnung. Wegen aufkommenden Sturms mit viel Neuschnee weichen wir kurzfristig ins Obergoms aus; ein ideales Revier bei heiklen Verhältnissen, mit hoher Waldgrenze und vielfach flachen Hängen oberhalb.

So sieht das Obergoms aus (mit ein bisschen Propaganda)

Wie durch ein Wunder findet sich für unsere 8er-Gruppe (Adi, Claudio, Hanna, Helene, Liselotte, Marco, Phil und Tobi) noch kurzfristig ein gemütliches und erschwingliches Chalet für genau acht Leute; in Oberwald, ganz am Ende des Tals, auf 1370 m.

Am Ende wurden es WS-Touren bei Verhältnissen, die grosse Erfahrung, sichere Routenfindung und Zurückhaltung erforderten. Vier Tage lang schneite es fast ununterbrochen, teils hefig und mit stürmischem Wind. Dafür genossen wir fünf Tage Powdertraum auf teils ziemlich langen und einsamen Touren, mit drei schönen Gipfeln.

Tag 1, Samstag – Hungerberg, ca. 2000m

Während der Anreise setzt der Schneesturm ein, der Lawinenlagebericht mahnt zu äusserster Vorsicht; ausgerechnet für unseren kleinen Teil der Schweiz wird Stufe 4 angegeben! Am Ende verlagert sich der Niederschlagsschwerpunkt zwar etwas weiter nach Osten ins Tessin, dennoch ist eine sehr defensive Tour angesagt.

So werden am Anreisenachmittag direkt am Haus die Ski angeschnallt und wir steigen durch das alte Skigebiet am Hungerberg und den angrenzenden Wald auf. Auf etwa 2000m wird das Gelände steiler und wir fahren ab. Während unserer ersten schönen Pulver-Abfahrt (es werden noch einige mehr) entdecken wir, dass das alte Skigebiets-Restaurant noch offen hat, kehren ein und wärmen uns auf. Eine lokale Interessensgemeinschaft will das Skigebiet wieder aufbauen; wir finden den Berg sehr gut so, wie er ist, und geniessen die pulvrige Touren-Abfahrt bis kurz vors Chalet.

Aufstieg bei dichtem Schneetreiben

Wieviel Käse passt in 5 Tagen in 8 Leute hinein?

Tag 2, Sonntag – Triebteseehoru (Sidelhorn-Nebengipfel) 2753m

Es klart am Sonntagmorgen etwas auf und wir peilen das Sidelhorn an, ein populärer Skigipfel nördlich von Oberwald, zu dem wir heute alleine unterwegs sind. Vom Dorf aus geht es erst kurz auf den Schienen (!) der Furka-Dampfbahnstrecke, alsbald links durch den steilen Wald hinauf, auf kupierte Hänge bei Nassbode. Unterwegs verdichtet sich die Wolkendecke wieder, daher weichen wir auf den leichter zugänglichen, nur unwesentlich niedrigeren linken Nebengipfel des Sidelhorns aus (auf der Karte namenlos, P. 2753).

Nach der (kurzen, kalten) Gipfelpause erlaubt ein Wolkenfenster uns, in die Hänge südlich des Gipfels in Richtung Totbode einzufahren, und im Sonnenschein über schöne Alpwiesen bis zum Bannwald (Gestlergrimsle) abzufahren. Über uns kreisen dabei zwei Steinadler. Im Wald findet sich zu guter Letzt, anstatt dass wir dem Waldweg folgen müssen, eine schöne breite Schneise, die uns mit Pulver bis fast zum Bahnhof Oberwald zurückführt.

Auf dem Weg zum Sidelhorn zieht es wieder zu

Helene gibt Gas bei der Abfahrt durch die“geile Schneise“

 

Tag 3, Montag – Chly Chastelhorn 2683m

Heute schneit es wieder heftig. Mit der Matterhorn-Gotthard-Bahn fahren wir ein paar Stationen nach Münster, steigen über den Waldweg zur Galmihornhütte (nur mit Schlüssel zugänglich) auf. Während des Aufstiegs wird die Sicht etwas klarer, und das Chly Chastelhorn (das dem imposanten und für diesen Tag zu lawinengefährlichen Gross Chastelhorn vorgelagert ist) kann über flache Hänge erreicht werden. Immer wieder erinnern uns „Wumm“-Geräusche an die angespannte Lawinenlage (seit Sonntag herrscht ein „hoher“ Dreier). Zuletzt müssen noch etwa 30 Meter über einen breiten Grat im hüfttiefen Schnee überwunden werden.

Die Abfahrt entlang der Aufstiegsspur durch den breiten Kessel (Treichbode) ist gut, an der Judestafel geht es dann in den etwas steileren Wald hinab, wo die Orientierung teils schwerer fällt. Es wird eine traumhafte Waldabfahrt im tiefen Powder, während der Schneefall immer stärker wird. Zuletzt über Wiesen cruisend landen wir im historischen Hotel Post in Münster, und nach der Einkehr geht es (dank anhaltendem Schneefall) einfach per Ski durch die Gassen hinab zum Bahnsteig.

Die Erfindung des „Skouldern“? Falls ja, ist Marco der Erfinder der neuen Sportart

Abfahrt vom Chly Chastelhorn (im Hintergrund eine Clubpräsidentin)

 

Tag 4 – Horebode, ca. 2100m

Es ist Sturm angesagt, daher keine grosse Tour. Die Ski können wieder am Haus angeschnallt werden, zuerst geht es über Wiesen nach Obergesteln, von wo wir durch tief verschneiten Wald aufsteigen – und über einige Minuten Hirsche beobachten können, wie sie sich durch den tiefen Schnee kämpfen. Wiesen und Lichtungen folgend geht es an Senntumhitte und Niwhitte vorbei in Richtung P. 2301.

Stürmischer Wind und abgeblasener Schnee machen weiteres Aufsteigen entlang des Rückens freudlos, daher fellen wir oberhalb von Randstafel (auf ca. 2100m) ab und fahren – bei inzwischen hüfttiefem Powder – durch Wald und Wiesen bis Obergesteln. Wir wissen, hier gibt es ein Hotel eine mit für Touristen zugängliche Sauna; so wird Tag 4 zu einem halben Ruhe- und Wellnesstag.

Sturm? Egal, Skitour ist immer toll (im Bild: Marco)

Zäune werden (mehr oder weniger) elegant überwunden (im Bild: Tobi)

 

Tag 5 – Brudelhorn 2791m

Am Abschlusstag passt einmal alles. Der Sturm hat aufgehört und am Vormittag soll es ein paar Stunden sonnig sein, bevor die nächste Front aufzieht. So verlassen wir schon sehr früh (noch mit Stirnlampe) und bei Eiseskälte (ca. -12°C) das Chalet, deponieren Gepäck, und fahren mit dem Bus nach Geschinen.

Durch den Wald kommen wir auf die fein kupierten Hänge der Mossmatte unterhalb des Brudelhorns, und gelangen im breiten Kessel eher links haltend auf den Gipfelgrat. Bei eitel Sonnenschein erreichen wir diesen klassischen Skitourengifel über den Grat und geniessen die fantastische Aussicht von den Walliser Viertausendern im Westen über Finsteraarhorn, Schreckhorn und Dammastock bis zum Rheinwaldhorn und Basòdino.

Die steile und eingewehte Gipfelmulde meidend fahren wir wieder ab und geniessen die weichen Hänge, über die inzwischen diverse Gruppen (inkl. Militär) unseren Spuren folgend nachkommen. Eine letzte pulvrige Traum-Abfahrt durch den Wald rundet diese Bilderbuchskitour ab und bringt uns zurück zum Bahnhof Geschinen.

Aufstieg durch den Wald

Brudelhorn in Sicht

Adi lässts krachen

So enden fünf optimal verbrachte Tage in denen aus heiklen Verhältnissen das Beste gemacht werden konnte: tolle Abfahrten genossen, ein paar Gipfel erreicht, lecker für einander gekocht, und sogar noch ein bisschen Wellness und eine Boulder-Session dazu. Was will man mehr, wenn die geplante Hütten-Tour nicht geht.

Gruppe am Gipfel des Brudelhorns

Tourenumbieter und Text: Phil Mader

Touren als GPS-Tracks:

http://www.gps-tracks.com/triebteseehoru-skitour-E07573.html
http://www.gps-tracks.com/chly-chastelhorn-skitour-E07574.html
http://www.gps-tracks.com/horebode-skitour-E07576.html
http://www.gps-tracks.com/brudelhorn-skitour-E07581.html