Hochtourenkurs für Fortgeschrittene/Tourenleiterkurs in der Lämmerenhütte (29.-31. Juli 2016)

In letzter Zeit werden beim AAC Basel viele anspruchsvolle Hochtouren ausgeschrieben, die selbstständige Teilnehmende und ein hohes technisches Niveau voraussetzen. Dabei bleiben jene auf der Strecke, die sich neu für Hoch- und alpine Klettertouren interessieren. Diesem Umstand Rechnung tragend entschloss sich eine Gruppe regelmässiger Tourengängerinnen und Tourengänger, sich im Rahmen eines Fortgeschrittenenkurses die nötige Sicherheit zur Leitung leichter Touren anzueignen, sich alpintechnisch weiterzubilden und in der Folge einfache Touren anzubieten.

Unter der Leitung von Jonas Gessler waren wir drei Tage rundum die Lämmernhütte unterwegs. Nach und nach trudelten die fünf AAC’ler bereits am Freitag direkt auf der Hütte ein. Leider musste Andreas krankheitsbedingt kurzfristig absagen. Phil war schon einen Tag früher angereist und konnte bei der Besteigung des Schwarzhorns schon wertvolle Einblicke aufs Wildstrubelgelände werfen, was uns immer wieder bei der Routenplanung zu Gute kam.

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Das Wildstrubel-Ensemble: Lenkergipfel, Mittelgipfel, Grossstrubel (v.l.n.r.)

Am ersten Tag stand Seiltechnik auf dem Programm. Im Klettergarten nahe der Hütte übten wir effiziente Standplatzorganisation im Gruppenbergsteigen ein und konnten uns nebenher noch im Klettern mit Bergschuhen üben. Ohne Kenntnisse über die Schwierigkeiten der Routen zu haben, stiegen wir jeweils ein und stieg Alex beispielsweise – ohne es zu wissen – eine 5b ohne weiteres vor. Wir diskutierten verschiedene Seiltechniken, wilde Abseilmethoden und lernten, mit wenig Material zu improvisieren. Später zurück bei der Hütte gingen wir auf die Unterschiede zwischen Kollegen- und Gruppenbergsteigen ein und widmeten uns der Tourenplanung des nächsten Tages.

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Seiltechnik beim Klettergarten.

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Markus und Phil üben das improvisierte Abseilen mit zwei Karabinern.

Mit der Wildstrubelüberschreitung als Ausbildungstour am zweiten Tag wählte Jonas bewusst ein einfaches Gelände. So konnten wir verschiedene Techniken einüben und erhielten direktes Feedback von Jonas, der zwischen den zwei Seilschaften hin- und herpendelte. Das Gehen am kurzen Seil war Schwerpunkt der Tour und wurde neben Aspekten der Routenführung den ganzen Tag über immer wieder diskutiert und (mit provozierten Abrutschern) geübt.

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Morgenstimmung und ein Wunschziel vieler Bergsteiger im Hintergrund.

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Auf dem Weg zur diretissima auf den Grossstrubel.

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Einüben vom Gehen am kurzen Seil in steilem Gelände.

Nichtsdestotrotz war an einigen Stellen Konzentration gefragt. Die gewählte diretissima auf den Grossstrubel führte uns über steiles, schuttiges Gelände und zum Schluss hatten wir noch einige brüchige Felsstufen in Standplatzsicherung und Micro-Seillängen zu überwinden. Und mit etwas Glück konnten wir die eine oder andere IIIer-Stelle ausmachen und klettern.

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Wegfindung in der Südflanke des Grossstrubels.

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Phil sucht sich einen Weg durch die teilweise brüchigen Felsen.

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Verdiente Pause.

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Letzter Aufstieg durch Geröll auf den Grossstrubel.

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Gipfelrast auf dem Grossstrubel.

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Viel Walliserprominenz – wer kennt sie alle?

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Auf dem Weg zum Mittelgipfel.

Vom Grossstrubel wanderten wir zum Mittelgipfel und den Wildstrubelgletscher hinunter, um an einer ausgeaperten, steilen Stelle die Sicherung in blanken Eisflanken zu besprechen, wie sie gerade im Spätsommer auf einigen Hochtouren nötig werden kann. Es wurden fleissig Eisschrauben gebohrt und der auffrischende Wind und einsetzende Regen liessen der Übung eine gewisse Ernsthaftigkeit zukommen.

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Meret im Nachstieg in der steilen Eisflanke.

Im Abstieg zur Hütte fand Jonas ein Eisloch, wo sich einige von uns abseilten und sich im senkrechten bis überhängenden Eisklettern übten.

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Phil ahnt noch nichts von den Strapazen des Überhangs, als er sich ins Eisloch abseilt.

Mit brennenden Unterarmen ging’s in Folge zurück zur Hütte, wo wir einige lohnende Touren besprachen und in die Geheimnisse der Rucksatz-Packtechnik der Bergführer eingeweiht wurden.

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Im Abstieg zur Hütte wird ein reissender Gletscherbach überwunden.

Viele anspruchsvollere Touren erfordern aufgrund ihrer Länge ein zügiges Vorwärtskommen und eine effiziente Seilhandhabung. Auf der Ausbildungstour über den Steghorn Ostgrat (WS, II) am dritten Tag wurden wir immer wieder mit der Frage konfrontiert, wie wir sicherungstechnisch unterwegs sein sollten. Dabei sind wir erneut auf die grossen Unterschiede zwischen Gruppen- und Kollegenbergsteigen eingegangen.

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Das Steghorn. Im oberen Felsabsatz das schneegefüllte Couloir, welches uns auf den Gipfel führen wird.

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Scheinbare Orientierungslosigkeit auf der Rote Totz Lücke.

Das Wetter war an diesem Tag erst etwas durchzogen; immer wieder regnete es und machte die eigentlich einfache Kletterei etwas anspruchsvoller.

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Am Ostgrat des Steghorns.

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Auch eine 3er-Seilschaft kann zügig unterwegs sein, wenn die Handgriffe sitzen.

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Gehgelände auf dem Ostgrat des Steghorns.

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Das steile, noch schneegefüllte Couloir erleichtert den Aufstieg zum Steghorn.

Nach Erreichen des Steghorns freuten wir uns auf die lange, überhängende Abseilstelle. Phil machte sich als erster bereit und musste feststellen, dass unsere Seile zu kurz waren. So hat Jonas in die Trickkiste gegriffen und in fleissiger Bastelei das Ablassen über Knoten erklärt.

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Meret entschwindet in den Überhang.

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Markus nach der Abseilstelle.

Über einige Schneefelder abrutschend und über das ‚Leiterli’ ging’s zurück zur Hütte. Jonas machte sich per Bike auf den Weg nach Kandersteg, wir wanderten gemütlich zurück zum Gemmipass.

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Das Leiterli!

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Ob Meret mal eine Tour in Speläologie anbieten wird?

Vielen Dank an Jonas! Er hat es geschafft, mit seinem Programm den unterschiedlichen Erwartungen gerecht zu werden. Wir haben alle gemerkt, in welchen Bereichen wir uns weiterentwickeln können. Ich freue mich, die neuen Tricks auf eigenen Touren anzuwenden und nehme viel mit aus den guten Diskussionen.

Organisation: Meret Gut
Bergführer: Jonas Gessler
TN: Marco Bruni, Meret Gut, Phil Mader, Markus Melzer, Alex Plüss
Bericht: Marco Bruni

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