Jubiläumstour Etappe 4: Cavadiras – Piz Ault – Etzlihütte (6./7. Oktober 2018)

chriizlipass

Herbstliche Farben am Chrüzlipass

z füäss älläi am bärg
gäge mittag züe
dr hiimu chnitschblai

ä blick zrugg zur hitte
die letschte par schritt
hocke verschnüüfe

d schtroomläitig träit
ires äiteenig lied
vu mascht zu mascht

ä mungg vergisst z pfiife
schliift hinder n ä schtäi
verschtüüned ab miär

Schöner Blick vom Chrüzlipass zurück zum Piz Ault

ai ich ä käis wort
nur lüäge und sii
ds lääbe n äs gschänk

ääne n abbe n i ds tääli
äs schneefäld ä fäältritt
käi halt me uberschtitzt

äs ändlooses nitzitroole
vor em toobu dr picku
schlaat i iischig schnee

ds lääbe nu äinisch gschänkt
mit zittrige chniiw durab
unnänüüfe ä junge schafhirt

miär lüäged iis i d aige
kooge schöön hüt
en tag zum schterba

Hanspeter Müller-Drossaart (2018): gredi üüfe. Gedichte in Urner Mundart von Hanspeter Müller-Drossaart. Altdorf: Bildfluss, S. 73. ISBN: 978-3-9524501-3-0

Anfang des Val Cavadiras

Wie das lyrische Ich in Hanspeter Müller-Drossaarts Gedicht wanderten auch wir auf der 4. Jubiläumsetappe über den Chriizlipass, wenn auch auf umgekehrten Weg vom Bündner- ins Urnerland. Obwohl es nicht ganz so dramatisch zu und her ging wie im Gedicht und sich glücklicherweise niemand mit dem Pickel vor einem Absturz zu retten hatte, war doch diese unbeschreibliche Erhabenheit einer sich langsam unter eine weisse Decke in den Winterschlaf zurückziehenden Bergwelt zu spüren. Es ist gerade diese zeitlose Schönheit, die mich immer wieder unglaublich dankbar macht und die mich in den Bergen auch existentiell bewegt. Genau wie der junge Bündner Schafhirt im Gedicht sagt: «en tag zum schterba.»

 

Daniela redet über Ökonomie und Globalisierung, Vlad sucht Heidelbeeren

Cavardiras-Hütte schon im Winterschlaf

Abendstimmung neben der Hütte

Existentiell waren dann auch unsere Gespräche beim Aufstieg von Sumvitg durch das Val Russein und das Val Cavardiras hoch zur Cavardiras-Hütte. Die spannenden Diskussionen über Gott und die leider hochproblematische Welt haben uns von den gut 1700 hm und den rund 12 km etwas abgelenkt. Da wir alle eine relativ lange, aber landschaftlich reizvolle Anfahrt via Chur und mit der RHB dem Vorderrhein entlang bis nach Sumvitg hinter uns hatten, gönnten wir uns dann bereits in der Nähe der Alp Tegia Nova ein herzhaftes Mittagessen. Ein Stück Kuchen durfte natürlich auch nicht fehlen, was meinen Rucksack bereits ein wenig leichter machte. Obwohl ich mich ja überhaupt nicht zu beklagen hatte; Mike und Vlad wechselten sich im Aufstieg mit dem Seil ab, und Vlad schleppte zudem sage und schreibe 600 gr. Fonduekäse für uns drei hoch. Noch freute ich mich auf das erste Fondue der Saison. Nach ca. 6.5 Stunden inklusive Mittagspause und gelegentliches Heidelbeerpflücken kamen wir auf der Hütte an. Wir waren die einzigen Gäste und sorgten in perfektem Teamwork gleich für eine wohlig warme Stimmung; während Mike draussen Schnee holte fürs Trinkwasser, hackte Vlad Holz und ich heizte den Ofen ein. Für den Sonnenuntergang zog es uns jedoch wieder nach draussen und so genehmigten wir uns den Apéro vor der Hütte und genossen die wunderschöne, einsame Abendstimmung. Dass wir jedoch nicht ganz alleine waren, offenbarte uns der aufmerksame Blick durch den Feldstecher; weiter unten im Tal weidete eine Gämse. Zurück in der Hütte machten wir uns an das Abendessen. Nach einer aufwärmenden Hühnersuppe von Mike gab es also 600 gr. Fondue, mit Weisswein, Kirsch und allem drum und dran. Es schmeckte uns allen sehr, was unumgänglich dazu führte, dass wir dementsprechend viel assen. Zu viel für mich! Leicht verkatert hatte ich nach einer ziemlich schlaflosen Nacht sogar auf dem Gletscher am nächsten Morgen noch einen leichten Käse-Knoblauch-Geschmack im Mund.

Gute Laune trotz Nebel und Kälte – Vlad und Daniela am Fuorcla da Strem

Blick vom breiten Blockgrat zum Fuorcla zurück

Am zweiten Tag wanderten wir schliesslich unter dem «chniitschblaie Hiimu» über den Brunnifirn auf die Fuorcla da Strem Sut und weiter über leicht schneebedecktes Blockgelände auf den Piz Ault. Beim Aufstieg schneite es zwar leicht, auf dem Gipfel war es dann aber windstill und trocken. Während Vlad und Mike genüsslich ihre Fleischwaren verzehrten, hatte ich als Vegetarierin natürlich nur eines dabei: Käse. Aber es gab zum Glück noch Kuchen. Als es langsam kühl wurde, begaben wir uns auf den Abstieg runter zur Plauncas Calmut, um gleich auf der anderen Seite bei sommerlich warmen Temperaturen wieder hoch auf den Chrüzlipass zu steigen.

 

 

Gerade unterhalb vom Gipfel des Piz Aults

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dort gönnten wir uns noch einmal eine kurze Siesta bevor es dann zackig die knapp 1700 hm runter nach Bristen ging. Eine wundervolle Jubiläumstour in toller Gesellschaft. «Ds Lääbe n äs Gschäänk.»

Piz Ault vom Chrüzlipass, Aufstieg vom Fuorcla da Strem (links)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Teilnehmer: Daniela, Vlad, Mike

Umbieter: Mike & Daniela

Bericht: Daniela

 

Daniela gerade oberhalb der Etzlihütte

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