Jubiläumstour Etappe 6: Rossbodenstock (15. September)

 

Septembermorgen
Im Nebel ruhet noch die Welt,
noch träumen Wald und Wiesen:
Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
den blauen Himmel unverstellt,
herbstkräftig die gedämpfte Welt
in warmem Golde fliessen.

Eduard Mörike (1827)

 

Wie zauberhaft sich der September präsentieren kann, wussten schon die biedermeierschen Dichter. Eduard Mörike vermag dies in seinem Gedicht Septembermorgen wunderschön auszudrücken. An einem solch anmutigen Morgen machten wir uns also auf den Weg in Richtung Oberalppass, um dort die 6. Etappe der Jubiläumstour für den AACB zu erwandern. Oben auf dem Pass wartete schon der eindrucksvolle, rote Leuchtturm auf uns. Seit 2010 steht diese Kopie des einstmals an der Rheinmündung Rotterdams stehenden Leuchtturms als Zeichen für die Quelle des Rheins auf dem Oberalppass. Wir werfen noch einen kurzen Blick in das kleine Infohäuschen, das gerade unter dem Stern der Ausstellung «Das blaue Wunder» steht. Es ist eine Hommage an den Extremschwimmer Ernst Bromeis, der im Jahr 2014 von der Quelle bis zur Mündung des Rheins geschwommen ist. Es werden Fotos und Gegenstände seiner Vorbereitung gezeigt, als er 200 Seen des Kantons Graubünden durchschwamm. Beeindruckt von solch inspirierenden Menschen waren wir nun auch voller Tatendrang für unsere kleine Wanderung. Die morgendliche Mörike-Stimmung verflüchtigte sich schnell und es wurde bald sommerlich warm. So cremten wir uns fleissig ein, setzten Sonnenhüte auf und nahmen die Hosenbeine ab. Im Indian Summer der Schweiz lässt es sich auch auf 2838 m.ü.M gut mit kurzen Hosen wandern. So hoch war nämlich unser Ziel des Tages, der Rossbodenstock.

 

Nach einigen anfänglichen Orientierungsschwierigkeiten fanden wir dann bald unseren Rhythmus und wanderten plaudernd in Richtung Tomasee, der besagten Rheinquelle. Auch andere WanderInnen hatten die gleiche Idee, und so war auf den Wanderwegen reges Treiben. Zwei Frauen, die mit Handschuhen und Abfallsäcken die negativen Folgen des Wanderbooms beseitigten, machten uns auf den RheinCleanUpDay aufmerksam. Es werde an diesem Tag von der Quelle bis zur Mündung des Rheins Müll gesammelt. Falls es das nächste Mal wieder stattfinden sollte, wäre das vielleicht eine schöne Aktion für den AACB (vgl. https://www.rhinecleanup.org/). Beherzt nahmen wir von ihnen einen Abfallsack mit, um ebenfalls einen kleinen Beitrag zu leisten. Vom See aus wanderten wir auf direktem Weg in die kleine Badushütte, wo wir dem Hüttenwart beim Restenessen halfen. Sie bereiteten sich nämlich langsam auf das Saisonende vor, weshalb es leider keinen Kuchen mehr gab. Dafür eine herzhafte Gemüsesuppe! Gerade mir, die ich ziemlich erkältet war, tat die Suppe wohlig gut. Trotzdem entschied ich mich dann, auf direktem Weg via Martschallücke auf den Rossbodenstock zu steigen, während der Rest der Gruppe sich für eine Überschreitung von der Älpetlilücke aus entschloss. Oben angekommen genossen wir die herrliche Rundsicht auf Finsteraarhorn, Sustenhorn, Salbit, Titlis, und und und. Gemeinsam konnten wir zahlreiche Gipfel identifizieren. Etwas mehr Mühe hatte Liselottes Peakfinder. Das müssen wir noch üben. Runter gings dann auf direktem Weg ab Pt. 2828 über die Schlüsselstelle der Tour, ein etwas unangenehmes loses Geröllfeld, weiter über den Rossboden zur Jacuzzi-Alp Graben (da stand tatsächlich ein Jacuzzi vor der Alp, eine echte Konkurrenz für das Chedi-Spa!) und weglos steil abwärts bis nach Andermatt. Nun hatte der Herbst tatsächlich schon Einzug gehalten, die Heidelbeermoore präsentierten sich in einem wunderschön rötlichen Glanz, «in warmem Golde fliessen….».

Teilnehmer: Daniela H., Oli, Liselotte, Max K., Mike (Umbieter)

Bericht: Daniela

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