Jubiläumstour Etappe 7: Tiefenbach – Galenstock – Belvédère (15./16. September 2018)

Eine schöne Sache an der Auswahl der Jubiläumstouren ist, dass die Etappen meist durch einsame Gebiete und über selten begangene Routen führen. Nicht so aber die siebte Etappe von Tiefenbach auf den Galenstock – eine oft begangene Skihochtour.

Weil es aber mit der Skitour im April nicht so recht klappen wollte, blieb uns nichts anderes übrig, als die klassische Skihochtour auf den Galenstock als spätsommerliche Hochtour zu unternehmen. Sonst wären wir nämlich kaum auf diese Idee gekommen. Und das war ein Glück! Denn so konnten wir uns an der herbstlichen Einsamkeit freuen (die Albert-Heim-Hütte ist wegen Umbauarbeiten geschlossen). Und an den vielen Kristallen. Auch das schöne Biwak unter dem klaren, freien Sternenhimmel war sehr eindrücklich. Und natürlich die Tour: Als einzige Seilschaft dieses Tages stiegen wir über den Tiefengletscher und den Nordgrat auf den Galenstock. Es war zwar schade, wegen des wechselhaften Wetters das sonst so gelobte Gipfelpanorama zu verpassen, dafür aber spürten wir die Wildheit mit dem kalten Wind, dem nieselnden Regen und dem Nebel umso mehr und vergassen dabei fast, mit ungewohnt schwerem Gepäck (Biwakmaterial und Kristalle!) unterwegs zu sein. Und so war es auch nicht weiter schlimm, etwas durchfeuchtet beim Belvédère ins wohlig-warme Postauto zu steigen, wo man wegen der Feuchtigkeit kaum aus dem Fester sah.

 


Samstag – Zustieg zum Biwak und Strahlen beim Galenstock Beach

Auf dem Zustieg zum Biwakplatz zwischen der (wegen Renovation geschlossenen) Albert Heim Hütte und dem See. Es ist herbstlich und die vielen Heidelbeeren färben die Bergflanken tiefrot. Im Hintergrund grüsst der Galenstock.

Am Galenstock „Beach“ studieren wir die Route vom Folgetag: zwischen Bachlauf und Felsplatten hoch auf den Gletscher, rechts am Strahlengrätli (Bildmitte) vorbei und die Bruchzone links umgehend wieder nach rechts und auf dem oben schneebedeckten Gletscher zum Einstieg auf den Nordgrat am tiefsten Einschnitt. Danach über den Grat auf den Gipfel und Überschreitung über die Schnee- bzw. Eishaube.

Marco und Marco erneut im Kristallfieber (siehe Bericht Piz Urlaun). So müssen unsere Rucksäcke neben dem Biwakmaterial noch ein paar Kristalle tragen.

Den schönsten Platz zum Sonnenuntergang geniesst wohl das grosse Kamel in der Unteren Bielenlücke.

Unser Biwakplatz hinter zwei Felsblöcken, die wir mit einigen Steinplatten noch etwas ausschmücken, um den aufkommenden Wind abzuhalten.

Sternklare Nacht über Galenstock und Gletschhorn – ob der Lichtstreifen oben im Bild eine Sternschnuppe oder ein Satellit ist?

 

Sonntag – Tour auf den Galenstock und Abstieg über den Rhonegletscher

Kurz nach 5 Uhr verlassen wir unser Biwak und sind überrascht, dass entgegen den Wetterprognosen bereits in der Früh viel Feuchtigkeit aus Südost einströmt.

Der Galenstock ist seit dem frühen Morgen in Wolken gehüllt. Zeitweise haben wir aber auf dem Tiefengletscher noch gute Sicht, wie hier kurz unterhalb der Spaltenzone.

Der Übergang vom Gletscher auf den Felsen beim Einstieg zur Kletterei hoch auf den Nordgrat war dank guten Schneeverhältnissen unproblematisch.

Eine lange Steigbügel-Leiter entschärft den Aufstieg in brüchigem Gelände.

Auf dem Nordgrat wechseln sich Blockgrat, schiefriges Schuttgelände und Eisfelder ab.

Bloss die Aussicht verändert sich kaum: viel mehr als 20 Meter weit sehen wir selten. Dafür erleben wir schöne Stimmungen im fahlen Licht, das den starken Kontrast des schwarzen Gesteins und des weissen Nebels manchmal fast auflöst.

Nach vier Stunden erreichen wir den sonst so gelobten Aussichtsgipfel. Ohne Sicht und bei eisigem Wind und Nieselregen machen wir uns rasch an den Abstieg über die apere Flanke. Die Traverse ist bei den Verhältnissen recht heikel und fordert volle Konzentration.

Wir folgen noch ein kurzes Stück dem Galengrat, kommen am Ausstieg des Ostsporns und der Galengratverschneidung vorbei und steigen durch ein Tal hinunter in die unglaubliche Weite des Rhonegletschers. Die vielen Steinmännchen helfen sehr, den schnellsten Weg zu finden.

Himmel und Rhonegletscher kommen sich ganz nahe.

Einige grössere Randspalten leiten uns auf die orographisch linke Gletscherseite, wo auch die Skitourenroute verläuft.

Wir planten den Gletscher unterhalb der mit unschönem Vlies bedeckten Eisgrotte neben dem Gletschersee zu verlassen. Bei den aktuellen Verhältnissen hätte dies mit einem eiskalten Bad geendet. Eine Eiskletterei über die Séracs ist auch nicht möglich, weil sich die Eisen im Vlies verfangen. So müssen wir zurück und die Grotte in unangenehmen Gelände oberhalb umgehen.

Wir können nicht nachvollziehen, wieso einem Privatbetrieb ein solcher Eingriff ins Landschaftsbild erlaubt ist (#mountain wilderness) und verlassen schnellstmöglich das Grauen mit einem Rucksack voller schönen Bildern, Geschichten und Kristallen (!) dieser wunderbaren Tour.


TN: Marco R., Marco B.(Bericht)

Route: Tiefenbach – Albert Heim Hütte – Biwakplatz – Galenstock 3586m (über den Nordgrat) – Galengrat – Rhonegletscher – Belvédère [ZS-, 3b]

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