Jubiläumstour Etappe 8: Grimselpass – Vorder Gärstenhorn – Räterichsbodensee (13./14. Oktober 2018)

Im November 2017 hat Dani Silbernagel dem Vorstand einen Vorschlag zur Ausgestaltung der Jubiläumstour mittels Elektropost zukommen lassen – damals dachte ich: was für eine super Idee, da will ich unbedingt dabei sein. Anfang Oktober 2018: immer war etwas anderes im Weg, wichtiger, dringender – aber jetzt: akuter Handlungsbedarf!

Die Etappe #8 ist noch zu haben – Abenteuergelände im II. Grad, im festen Gneis/Granit des Aaremassivs, also kristallines Grundgebirge vom Feinsten – und erst noch mit Biwakzustieg – das klingt super, also starte ich einen sehr kurzfristigen Versuch, der aber mangels Teilnehmer_innen nicht zustande kommt. So ganz alleine möchte ich da oben nicht rumturnen und ausserdem ist die Idee der Jubiläumstour ja auch, etwas gemeinsam zu machen…

Das Wochenende darauf erklärt sich Mike Devereux dankenswerter Weise bereit die Tour auszuschreiben und Thomas Julou ist erfreulicherweise auch dabei – wir sind also zu dritt. Der Grimselpass ist für schweizerische Verhältnisse nur sehr umständlich und zeitaufwändig mit ÖV zu erreichen – das letzte Postauto des Tages kommt um 16.24 dort an und auch das nur wenn es nicht schneit…

Gross Mutthorn vom Nägelisgrätli

Thomas ist schnell von der Biwakidee überzeugt und so ist der Plan gefasst: Samstag Mittag ab SBB und dann vom Grimselpass gemütlich und entspannt das Nägelisgrätli hochwandern bis zum Grätlisee (2661 m), dort biwakieren und anderntags den S-Grat zum Vorder Gärstenhorn (3167 m) hochkrabbeln. In den einschlägigen Medien wird der Grat sehr gelobt – schöne Kletterei in festem Fels in herrlich wilder Umgebung, aber über den weiteren Weg gibt es nur sehr spärliche Informationen. Dani hatte auf seiner Karte eine dicke rote Linie über Mittler, Hinter Gärstenhorn und noch einige der Gelmerhörner gezogen um dann nach Westen zum Gelmersee abzusteigen. Wir sind da etwas zögerlicher und planen erst am Gipfel zu entscheiden ob uns der Weiterweg machbar erscheint und wenn ja, bis wie weit wir die Überschreitung fortsetzen wollen. Irgendwie sollten wir doch einen Durchschlupf auf den Gerstengletscher oder was von ihm übrig ist finden und dann, so hoffen wir, wird es möglich sein zum Räterichsbodensee (1770 m) abzusteigen und somit den Hüttenweg der Bächlitalhütte und damit den Anschluss an die Etappe #9 zu erreichen.

Mike als Familienvater muss ein bisschen haushalten mit dem Zeitbudget und wird am Sonntag in aller Herrgottsfrühe mit dem PKW losdüsen um uns gegen 7.30 am Biwakplatz zu treffen. Da wir das ganze Biwakmaterial über den Grat tragen müssen, entscheide ich mich für den dünnen Sommerschlafsack- aber zusammen mit Eis- und Felsausrüstung kommt immer noch ein ziemlicher Rucksack dabei raus.

Nach einer denkwürdigen Postautofahrt, bei der wir einen Alleinunterhalter als Chauffeur erwischt haben, stehen Thomas und ich dann endlich am Grimselpass – allerdings im eisigen Starkwind! Nach Norden ist der Himmel blitzblank, aber über dem Goms steht eine mächtige Fohnwalze und ich frage mich ob der warme Winterschlafsack nicht doch eine bessere Idee gewesen wäre. Auf dem schönen, gut markierten Weg auf dem Nägelisgrätli sind wir aber Gott sei Dank bald aus dem schlimmsten Wind heraus und uns kommen durchaus noch ein paar Wanderer entgegen die den schönen Tag zu einem Ausflug genutzt haben. Nach einer Stunde sind wir aber alleine und auch die Föhnwolken haben sich langsam nach Osten verzogen. Kurz unterhalb des Grätlisees finden wir einen kleinen See mit ausgezeichneten Biwakplätzen und während die Sonne spektakulär hinter dem Finsteraarhorn untergeht, feuern wir den Benzinkocher an und bereiten erst mal einen heissen Tee.

der letzte Sonnenstrahl für heute!

Thomas fotografiert noch die selten schöne Aussicht und rekognosziert den weglosen Zustieg zum Grat für morgen, während ich schon mal Wasser fürs Nachtessen abkoche. Im Süden lassen sich jetzt die Walliser Eisriesen blicken – vom Weisshorn über Dent d’Herens, Matterhorn, Mischabel bis zur Dufourspitze haben wir in der klaren, kalten Luft einen ausgezeichneten Blick, obwohl uns ziemlich genau 100 km trennen!

Walliser Traumberge zieren unser Schlafgemach

Sobald die Sonne weg ist, wird es doch schnell ziemlich frisch und wir widmen uns dem Nachtessen. Auf dem Menu stehen Kürbissuppe, Pasta mit Tomatensauce und selbstgebackener Kuchen. Thomas hat tatsächlich ein Bier heraufgeschleppt und in meinem Rucksack findet sich noch ein Quantum Rotwein – alles wird brüderlich geteilt und so schwelgen wir, bis uns die Kälte in den Schlafsack treibt. Eine lange Oktobernacht im Freien liegt vor uns und morgen früh eine spannende Tour – was für ein Luxus!

unser Biwakplatz

In der Nacht breitet sich zunächst wieder eine dünne Wolkendecke aus – es ist zwar nicht mehr so kalt, aber dafür gibt es kaum Sterne zu sehen. Gegen Mitternacht sind die Wolken plötzlich weg, und in der mondlosen Nacht leuchtet die Milchstrasse intensiv zu uns herunter. Es wird doch empfindlich kalt und auf unserem Tümpel bildet sich langsam eine Eisdecke. Ich verkrieche mich vollends in meinen Schlafsack, nur ein kleines Atemloch bleibt noch offen – Sterne hin oder her!

der nächste Morgen ist eher frisch

Kurz vor sechs teilt mir mein Wecker mit, dass ich jetzt Tee kochen sollte und dank vorausschauender Planung gelingt mir das, ohne den Schlafsack auch nur eine Sekunde zu verlassen. Nach dem frostigen Zmorge packen wir unsere Siebensachen ein und um ein bisschen warm zu werden, laufen wir noch die paar Minuten zum wunderschönen Grätlisee hoch, wo uns die Sonne endlich wieder hat.

erste Sonnenstrahlen am Grätlisee

Thomas und ich sitzen wie zwei Eidechsen in der Sonne und warten aufs auftauen und natürlich auf Mike! Schliesslich kommt ein roter Punkt an zwei Stöcken bedächtig höher gestiegen – ich bin doch sehr verwundert ob des Tempos, bis ich merke – das ist gar nicht Mike! Ein älterer Einheimischer hat sich ebenfalls das Gärstenhorn als Ziel gewählt.

Irgendwann zeigt sich ein roter Blitz am Seeeingang und dann ist Mike auch schon bei uns. Kurze aber herzliche Begrüssung und dann stiefeln wir auf einer schwachen Pfadspur durch das ausgedehnte Blockmeer in Richtung Scharte, an der wir den S-Grat erreichen wollen. Wie angekündigt, bin ich nun der geschwindigkeitsbestimmende Faktor, aber die beiden nehmen es gelassen – jedenfalls wird uns allen wieder warm!

im Blockmeer, oben rechts der Gipfel

Auf der Scharte begrüsst uns wieder der eisige Wind, aber auch der herrliche Ausblick zu den wilden Berner Gipfeln. Finster-, Lauteraarhorn, Schreckhorn, Bächlital und Gruebenkessel einmal aus einer anderen Perspektive! Fortsetzung folgt

eine wilde Ecke!

 

Mike am S-Grat

luftige Krabbelei

herrliche, eisenfeste Platten!

Thomas kurz unter dem Gipfel, im Hintergrund der Galenstock

Abstieg am N-Grat

tierische Gesellschaft

heikles Gelände aber herrlich!

der Abstieg zieht sich

und nochmal 1000 Hm zum Räterichsbodensee…

 

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