Kletterweekend im Sidelengebiet (21.-22. August 2016)

Wetterbedingt um einen Tag verschoben sind wir erst am Samstagabend auf die Furka gefahren. Es erwartete uns ein kurzer Aufstieg von den Militärbaracken beim alten Hotel zum Sidelenbach. Der Weg hat nur wenig Steigung, was aufgrund unseres schweren Gepäcks mit Biwakmaterial, Gourmetmenu samt Tourenbier sehr gelegen kam. Der Sidelenbach ist beliebt zum campieren, wohl auch weil die Sidelenhütte nur wenige Schlafplätze hat und auch an diesem Abend ausgebucht war. Unser designiertes Biwakgelände ist zwar von Geröll geprägt, aber einige flache Plätze wurden geräumt und Zelte lassen sich bequem platzieren.

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In der Nacht hat es kräftig geregnet und die prognoszierte Wetterverbesserung liess am Morgen auf sich warten. Trotzdem brachen wir voller Tatendrang auf.

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Auf besseres Wetter wartend starteten wir im bereits abgetrockneten Klettergarten Kristall an den Wandfussplatten des gross Furkahorns, ein Plaisir-Klettergebiet aus den frühen 90ern. Das Alter sieht man gewissen Routen auch an, nur die wenigsten wurden saniert. Hanna und ich sind durch „Jedes Tierchen sein Pläsierchen“ (5c+, 6SL), Utta und Steffen durch „Sorgechind“ (5a, 4 SL) gestiegen. Unsere Gäste waren neu im Granitplattenklettern und mussten sich erst noch an dieses Fusslastige Klettern gewöhnen.

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Mittlerweile war das Wetter so gut, dass wir den Einstieg des ESE-Grat am gross Furkahorn auf rund 2900 m ansteuertenIMG_0587Hier reihten sich Seilschaft an Seilschaft über den Grat und so sind wir gleich weiter zur Via Evalin am Ostwandsporn (7SL, 6a+, Absicherung: gut). Der Einstieg ist auf dem Bild am rechten Rand des langgezogenen Schneefeldes zu sehen.

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Die Route war für uns am oberen Limit, so haben wir für die Schlüsselseillängen auch die Seilschaften zusammengehängt, das heisst die Vorsteigerin der zweiten Seilschaft wurde an einem Halbseil der ersten Seilschaft nachgesichert.

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Weil es mittlerweile schon Mittag war und die Sonne sich aus der Ostwand verabschiedete, wurde es bitterkalt.

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Leider erreichten wir den Hauptgrat just nach der grossen Masse, leider allesamt ziemlich dilletantische Hallenkletterer die für die paar Seillängen im 3. und 4. Grad Stunden gebraucht hatten. DSC03512 Nun staute sich alles am Gipfelaufschwung wo es nochmals ein paar Viererstellen zu erklettern gab. DSC03514

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Am späten Nachmittag erreichten wir den Gipfel auf 3170 m. ü.M. Der Abstieg mit 2x Abseilen gestaltete sich als sehr effizient und unproblematisch. Trotzdem mussten wir noch in der Sidelenhütte anrufen und unser Nachtessen verschieben.IMG_0580

Weil wir an unsererm ersten Klettertag doch einiges an Seillängen geklettert sind, wollten wir es am Montag ruhiger angehen. Es war ein prachtsmorgen, hochsommerlich warm und praktisch windstill.

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Im T-Shirt sind wir in „Conquest of Paradise“ (5C+,6SL, Absicherung: Super) am berühmten Hannibal-Turm eingestiegen.

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Eine spektakuläre Kletterei, leider halt sehr populär:So kletterte selbst an einem Montag hier Seilschaft hinter Seilschaft.  Im oberen Bild sieht man gerade 2 vor uns in die erste Seillänge einsteigen. Weiter oben verirrt sich gerade eine Italienerseilschaft am 3. Stand in die 6b+ Seillänge von „Kassensturz“ weil die Stände sehr nahe beieinander liegen. Auch die 2 folgenden Seilschaften werden sich durch diesen Überhang kämpfen und erst unsere Frauen merken, dass die Route eigentlich weiter links viel einfacher durch die Verschneidung geht.

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Oben angekommen erwartet einem auf  die schon legendäre Hanibank, die aus Jux von ein paar J&Slern mit Flaschenzügen durch die Wand hochgezogen wurde.

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Text: Claudio Cadel
Umbieter: Hanna Ketterer, Claudio Cadel
TN: Utta und Steffen (Gäste)IMG_0610