Kurzbesuch in der Gruebenhütte – Neuer Übergang vom Bächlital in den Gruebenkessel (16.-18. August 2019)

Früher war der Übergang vom Bächlital über die Untere Bächlilücke in den Gruebenkessel unproblematisch. Mit dem Rückzug der Gletscher wurde die Tour anspruchsvoller und seit ein paar Jahren helfen Taue und Haken über die Schlüsselstelle.

Ein weiterer Übergang führte früher über den Pass P. 2737 beim Chlynen Diamantstock. Dieser wurde vor allem von Bergsteigern genutzt, die über den Nord- oder Westgrat auf den Chlynen Diamantstock stiegen und wieder zurück zur Gruebenhütte wollten. Auch dieser Übergang wurde schwieriger und war zuletzt kaum mehr begehbar.

Darum hat Severin Karrer, unser neuer Hüttenwart der Gruebenhütte, dort Anfang August eine neue Abseilstelle eingerichtet. So kommt man neu (bzw. wieder) über Punkt P. 2737 runter in den Gruebenkessel (nicht aber hoch!). Wir haben uns den Übergang angeschaut und möchten die gemachten Erfahrungen hier teilen.

Zur Zeit findet man noch viele Heidelbeeren und unten bei der Handegg sogar Steinpilze – die ideale Zeit für einen Herbstbesuch in der Gruebenhütte!

 

Fazit „neuer“ Übergang

  • Der Übergang bei P. 2737 bietet sich nach der Besteigung des Nordgrates des Chlynen Diamantstocks aus dem Gruebenkessel oder der Plaisirtour „Sir Elias“ aus dem Bächlital an, wenn man in die Gruebenhütte möchte.
  • Der Abstieg ist zwar kurz, aber recht wild und empfiehlt sich nur Alpinisten, die sich in Abenteuergelände wohl fühlen.
  • Beim Abstieg darf keine weitere Seilschaft folgen. Es ist kaum möglich, in der Flanke abzusteigen, ohne Steinschlag auszulösen. Also unbedingt mit anderen Seilschaften absprechen (Wahrscheinlichkeit aber sehr klein, dass noch weitere unterwegs sind).
  • Steigeisen und Pickel obligatorisch.
  • Die Untere Bächlilücke ist objektiv sicherer.

 


 

Blick von der Unteren Bächlilicke auf den Gruebenkessel mit Hütte.

Vom Grossen Diamantstock zieht der Ostgrat runter bis zur Undren Bächlilicke, wo man den Blockgrat zum Chlynen Diamantstock weiterverfolgen kann. Auf dem Bild (zwischen P. 2788 und P. 2737) ist der Ausstieg der Plaisirtour „Sir Elias“ aus dem Bächlital.

Der Steinmann im Pass P. 2737 markiert einen möglichen Übergang in den Gruebenkessel.

Der Blick in die Flanke ist nicht gerade einladend: viele lose Blöcke und Sand.

Von oben ist der grosse Steinmann, der die (nahe) Abseilstelle markiert, nicht gut zu erkennen. Wagt man den Abstieg, taucht er dann doch auf.

Die neu eingerichtete Abseilstelle (1x20m) führt auf Firnfelder bzw. Blankeis im gegen Ende der Saison. Ein zweiter Abseilstand (oberhalb vom Schrund) ermöglicht das Abseilen über den steileren Teil der Eisfläche. Wir sind auf Firnresten am Schrund entlang traversiert, was auch gut ging, aber wegen grossen und sehr instabilen Blöcken nicht ideal ist. Bei guten Firnverhältnissen steigt man danach direkt in der Fallline runter in die Ebene (von oben nicht einsehbare Platten). Bei Ausaperung ist es ratsam, der Moräne bis an den Hüttenweg am Seeende zu folgen.

Die Gruebenhütte am Morgen mit dem Grossen Diamantstock.

Monduntergang am Südgrat vom Hiendertelltihorn.

Die Vegetation erobert mit der Klimaveränderung immer höhere Lagen. Im Schlussaufstieg zur Hütte wachsen Weiden und bei der Hütte einige Heidelbeeren.

Höhepunkt der Badesaison am Gruebensee. Und doch: die letzten Schneefelder beim Hüttenweg werden in diesem Jahr wohl nicht mehr verschwinden.

 

Grueben-Dessertidee:
Beerifenz mit Heidelbeeren von der Egg auf dem Hüttenweg – ein altes, beinahe vergessenes Älpler-Rezept. 100 Gramm Butter pro Person sorgen (nach der Tour!) für ein ausgewogenes Dessert.

 


TN: Stephanie & Marco

Route: Räterichsbodensee – Bächlitalhütte – Plaisirtour beim Bächlibeach (8SL) – Undri Bächlilicke – Westgrat vom Chlyn Diamantstock – P. 2737 – Gruebenhütte – Handegg.

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