Oster-Skitouren im Combin-Gebiet & Aostatal (14.-17. April 2017)

Teilnehmer & Organisation: Markus, Jörg, Thomas (Gast)

Nachdem sich im Vorfeld bereits eine AAC Gruppe für eine längere Osterskitour formiert hatte, fanden wir uns für eine etwas verkürzte Variante nur über die Ostertage zusammen. Leider machte auch uns das Wetter für die eigentlich bereits sauber ausgeplanten anspruchsvollen Skitouren im Jungfraugebiet einen Strich durch die Rechnung, sodass wir sehr kurzfristig einen Alternativplan fassten und Richtung Süden auswichen. Dazu hatten wir das Combin-Gebiet und das Aostatal ins Auge gefasst, für das deutlich besseres Wetter vorhergesagt war.

1. Tag (Fionnay/Le Mayen du Revers -> Cab. F.X. Bagnoud Panossière, SAC 53a, 1300hm Aufstieg)

Hüttenaufstieg mit Wandercharakter

Nach der frühen Anreise via Bern und von dort mit Markus‘ Auto nach Fionnay konnten wir pünktlich um 10 Uhr mit dem Hüttenaufstieg (R53a) starten. Leider gab es dieses Jahr auch im Unterwallis sehr wenig Schnee, sodass wir trotz NO-Exposition zunächst die Skier tragen mussten, und nach Querung einiger Schneefelder im Wald erst ab ca. 1900m auf die Skier steigen konnten. Nach einer Skipassage musste leider wieder ein längeres Stück auf dem aperen Wanderweg zurückgelegt werden, bevor wir bei strahlendem Sonnenschein und hohen Temperaturen mit beträchtlichem Hitzestau die Hütte erreichten. Immerhin entschädigte die grandiose Aussicht auf den Grand Combin und die kommende Tour beim wohlverdienten Bier und Kuchen für den schweisstreibenden Wanderaufstieg.

Grand Combin und Combin de Combassière mit unserer Abfahrtsroute 431b (gestrichelte Linie) vom nächsten Tag

2. Tag (Cab. Panossière -> Petit Combin 3663m -> Cab. Panossière -> Col des Otanes -> Fionnay , SAC 430a, 431b, 55, ca. 1400hm Aufstieg, 2600hm Abfahrt)

Getrackte Skiroute und morgendlicher Aufstieg über den Corbassière Gletscher

Nachdem für den Tag eher bedecktes Wetter angesagt war, das aber erst nachmittags richtig zuziehen sollte, entschieden wir uns nach dem morgendlichen Wettercheck für die Option auf den Petit Combin (430a) mit der am Vortag gesichteten interessanten Abfahrtsvariante (431b). Um kurz nach 6 Uhr brachen wir zeitgleich mit den wenigen anderen Hüttengästen auf, und waren bald schon für uns alleine, da die meisten anderen Gruppen den Tournelon Blanc als Tourenziel gewählt hatte. Nach der Querung des Corbassiere Gletschers und Passieren des eindrücklichen Gletscherbruchs zog es allerdings in kürzester Zeit sehr schnell komplett zu, sodass wir sicherheitshalber anseilten und auf GPS-Navigation angewiesen waren.

Juhu… es zieht wieder auf – pefekt für das Gipfelpanorama am Petit Combin mit Grand Combin im Hintergrund

Glücklicherweise hielt die Wetterprognose wie versprochen, und pünktlich zur Überschreitung der einzigen anspruchsvolleren Stelle, einer kurzen steileren Fels- und Schneepassage, hatten wir wieder beste Sicht. So konnten wir auf dem Gipfel angekommen auch das Panorama richtig geniessen. Da das Wetter dann stabil war, entschieden wir uns die am Vortag angeschaute direkte Abfahrtsvariante 431b durch die Gletscherbrüche des Glacier des Follâts in Angriff zu nehmen, für die man unbedingt gute Sichtverhältnisse braucht.

In der Abfahrtsvariante 431b

Während wir im oberen Teil noch besten Pulver geniessen konnten, war der untere Teil aufgrund der windverpressten und sehr eisigen Schneeverhältnisse in den stellenweise über 40° steilen Passagen durchaus anspruchsvoll. Nach dem Mittagessen zurück bei der Hütte, stiegen wir bei warmen Temperaturen zum Col des Otanes auf, da uns diese Abfahrtsvariante mit mehr Schnee vom Hüttenwart empfohlen worden war.

Wiederaufstieg zum Col des Otanes

In der Tat konnten wir dann zunächst besten Frühjahrssulz geniessen, bevor wir uns ebenfalls mit GPS durch die Felsabbrüche im unteren Teil von Schneefleck zu Schneefleck navigieren mussten.

Gerupftes Schneehuhn(loch) in der Abfahrt

Immerhin kamen wir grösstenteils noch auf Schnee ins Tal und hatten dann noch ein gutes Stück Wanderung zurück zum Auto vor uns, bevor es zu regnen begann. Alles in allem eine sehr empfehlenswerte Tour!

Schliesslich fuhren wir weiter durch den grossen Sankt Bernhard Tunnel Richtung Aostatal. Trotz einiger Schaltprobleme des müden Autors erreichten wir dennoch unser Ziel, die l’Hostellerie du Paradis – eine sehr preiswerte und ordentliche, aber nicht unbedingt auf Skitourengänger eingestellte Unterkunft. Dafür schmeckt das italienische Abendmenü um so besser!

Gran Paradiso Steinbock … die Originalpopulation lässt grüssen!

3. Tag (Pont <-> Gran Paradiso 4061m, ca. 2100hm Aufstieg & Abfahrt)

Getrackte Skiroute zum Gran Paradiso, und Sonnenaufgang am Rifugio Vittorio Emanuele

Nachdem die normalerweise für die Gran Paradiso Besteigung benutzten Hütten schon seit Wochen voll gebucht waren, entschieden wir uns den Gran Paradiso vom Tal bis zum Gipfel in einem „Rutsch“ zu besteigen. Um 4.15 Uhr starteten wir mit Stirnlampen vom Parkplatz in Pont aus in Richtung Hütte. Wir hatten uns nach Besichtigung am Vorabend bereits für diese Aufstiegsroute entschieden, da wir hier noch komplett auf Skiern vom Tal aus starten konnten. Nach einem steilen Stück durch den Wald, wobei wir sogar einen Fuchs sichteten, erreichten wir nach ca. 2.5h das Rifugio Vittorio Emanuele. Überraschenderweise war hier noch die halbe Hütte voll, die sogar in Schichten frühstücken mussten, sodass wir froh waren uns für die längere Variante entschieden zu haben. Nach einer kurzen Pause stiegen wir dann in gleichmässigem Tempo weiter zum Gipfel auf. Obwohl die Sonne schien, war es dank dem kräftigen Nordföhn eisig kalt mit Windchilltemperaturen im zweistelligen Minusbereich, sodass wir praktisch keine Pausen machen konnten.

Markus im Aufstieg zum Gran Paradiso

Trotz diesen Widrigkeiten erreichten wir um kurz nach 11 Uhr das Skidepot unterhalb des Gipfels mit der Madonna. Hier war es überraschenderweise windstill, und wir konnten die Aussicht geniessen. Aufgrund der vielen (teilweise ungeübten) Bergsteiger am Gipfel entschieden wir uns mit Pickel und Steigeisen, aber ohne Seil, so weit wie möglich zu gehen. Thomas und ich entschieden uns schliesslich trotz des Andrangs bis zum Gipfel zu gehen, während Markus die vernünftige Entscheidung traf und an einem Felsriegel wartete.

Stau am Gipfelgrat… Zwangspause am Gipfel für Thomas und Jörg

Thomas und ich bereuten unseren Gipfeldrang auch alsbald, nachdem wir eine geschlagene halbe Stunde auf dem Gipfel festsassen… Unglaublich zu sehen, wie einerseits Bergsteiger nicht auf deutlichste Zurufe reagieren, dass es auch Gipfelrückverkehr gibt, und mehr als Kopfschütteln löste bei uns die abenteuerliche Sicherungstechnik einer 7er (!!!) Seilschaft am Gipfelgrat aus, die den kompletten Verkehr lahmlegte. Einfach nicht zu fassen…

Nachdem wir uns endlich durch die eine exponierte Stelle zurückkämpfen konnten, machten wir uns an die 2100hm Abfahrt, die leider nicht ganz den erhofften Genuss versprach, da es einfach zu kalt war und der Schnee nicht aufsulzte.

Markus in der Abfahrt vom Gran Paradiso

Nach einer verdienten Mittagseinkehr an der Hütte konnten wir immerhin in einer steilen Bachrinne auf dann weichem Schnee noch bis ins Tal fahren. Trotz der vielen Skibergsteiger am Gipfel eine sehr lohnende und schöne Tour!

4. Tag (Pont <-> Testa del Grand Etrêt 3201m, ca. 1240hm Aufstieg & Abfahrt)

Skiroute zur Testa del Grand Etrêt

Für den letzten Tag suchten wir uns wegen der Rückreise ein kürzeres, aber dennoch lohnendes Ziel aus – die Testa del Grand Etrêt am Talende des Valsavarenche. Nach einem zügigen, landschaftlich lohnenden Aufstieg durch das Talende und angenehmeren Temperaturen als am Vortag erreichten wir den Gipfel, wo nochmals ein wunderschöner Rundblick aufwartete.

Gipfelpanorama von der Testa del Grand Etrêt

Auch hier war die Abfahrt leider grösstenteils windverpresst, bereitete aber dennoch Vergnügen.

(Synchron) Abfahrt von der Testa del Grand Etrêt

Wir liessen die wunderschönen Tourentage vor der Rückreise schliesslich mit einer zünftigen Lasagne und Hauptessen auf der Sonnenterasse des Albergo Gran Paradiso ausklingen.

Vielen Dank an alle für die schönen gemeinsamen Touren!

Bericht: Jörg Gramich

Hinweis: Der einzige verfügbare deutschsprachige Skitourenführer vom Panico-Verlag fürs Aostatal ist leider nur bedingt zu empfehlen, da teilweise z.B. zentrale Informationen zu den Schlüsselstellen fehlen.

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