Portjengrat (12. Juli 2017)

Der Portjengrat  (3654 m ü.M.) lädt ein zu einem langen und wilden Zackenritt in homogener Schwierigkeit. Neben den vielen 4000er in der Region wird diese Tour zu Unrecht verschmäht, so auch an jenem Hochsommertag, als sich alle anderen Hüttengäste in die Stirnlampenkette aufs Weissmies einreihten. Bis auf den Wächter des Grates, einem Steinbock, waren wir an diesem Tag die einzige Seilschaft.

Der Zustieg ist (exzessiv) mit gelben Markierungen versehen und führt einem zum Port (3290 m ü.M.). Dort trafen wir auf eben genannten, jungen Steinbock, der sich nicht etwa von uns weg, sondern auf uns zu bewegte. Direkt neben der Einstiegsmarkierung stellte er sich auf einen Felsvorsprung und piff uns aggressiv an.

Unbeirrt stiegen wir in die Einstiegsverschneidung (2-3b) ein. Vereinzelte Bohr- und Normalhaken weisen den Weg. Es folgt eine erste knifflige Platte über zwei mit Normalhaken gesicherte Aufschwünge einem Risssystem folgend.

Am Hauptgrat freuten sich die klammen Finger über die Morgensonne. Wichtig für den in der Länge nicht zu unterschätzenden Grat war eine effiziente Seilhandhabung. So sind wir bis auf die wenigen Schlüsselstellen mehrheitlich am laufenden Seil geklettert.

Der erste grosse Aufschwung (Bild oben) mit einzementiertem Haken und dem „Eisenern Griff“ gibt einen einen Fixpunkt beim Lesen des Topos

Danach flacht der Grat ab und wird eher einfach bis man eine Scharte erreicht. Hier trafen wir auch wieder auf unseren Steinbockkameraden, der uns nun ohne Gehabe passieren liess.

Die schönsten Kletterstellen fanden wir an den vielen Gendarmen, die man wahlweise überklettern oder umgehen kann. Wir haben sie ziemlich alle mitgenommen. 

Nach den Gendarmen folgt ein kurzes Stück über einen Schneegrat bis sich der Gipfelgrat vor einem auftürmt. Hier wurden wir nochmals kurz gefordert. In Falllinie über einem Normalhaken versperrte ein gigantischer Klemmblock das Fortkommen durch die Verschneidung. Während das Loch unter dem Block zu eng war zum durchkriechen, verhinderte sein 2-Meter-Überhang direktes Überklettern. Auch Versuche in die steilen Seitenwände auszuweichen, schlugen fehl. Schliesslich entschlossen wir uns die Verschneidung links zu umgehen. Ob es sich bei dieser Route um den Normalaufstieg gehandelt hat, bleibt uns ein Rätsel. Trotz dieser Verzögerung war der Gipfel in vernünftiger Zeit erreicht.

Mehr Zeit verloren wir auf dem Abstieg. Nach der Abseilstelle suchten wir, im Unwissen dass Dani Silbernagel den Topos im Hochtourenführer Walliser Alpen mittlerweile korrigiert hatte, suchten wir aufgrund der fehlerhaften Zeichnung ein Durchkommen auf der Ostseite des Grossen Gendarmen. Abundante Abseilschlingen an den unmöglichsten Orten zeigten uns, dass hier noch andere umhergeirrt waren. Vernüftigerweise haben wir uns aber nie in gefährliches Terrain verleiten lassen, sondern sind mehrmals umgedreht. Zum Glück hatten wir die Zeitreserven. Schliesslich fanden wir die einzig richtige Passage durch einen riesigen Risskamin zwischen den Gendarmen hindurch, die sich einem erst eröffnet, wenn man direkt davor steht (folgendes Bild).

Es ist so brüchig wie es aussieht – Der linke Turm wird sich mittelfristig verabschieden

 

Route: Almagellerhütte – Portje – Pizzo d’Andolla – Almagellerhütte (ZS+, 4a)

TN: Claudio & Marco

Zur Vor- und Nachbereitung empfohlen:

  • Walliser Alpen von Dani Silbernagel
  • SAC Clubführer
  • „Gipfel und Grate“ von Hans-Fritz von Tscharner (1943)

 

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