Überschreitung Gross Muttenhorn (3099m) (16. – 17. Februar 2019)

Die Unternehmung stand unter einem guten Stern: An einem sonnigen Samstag Mittag haben wir sofort einen Parkplatz (!) am Bahnhof Realp (1540 m) gefunden. Okay, es war wohl der einzige, aber ‚der Herr ist mit den Zuversichtlichen‘ und die mit dem Zug angereiste Kirsten musste nicht lange auf uns warten.

Aufstieg in der Dämmerung

Sonnenaufgang

 

Der Weg zum Leckipass

Auch der als monoton verschrieene Anstieg zur Rotondohütte (2570 m) durch das Wittenwasserental, zunächst noch in der warmen Februarsonne (in Zeiten des Global Warming ist das etwa so warm wie die traditionelle Märzensonne ;-), wurde unter angeregtem Geplauder zügig bewältigt. Sternggenommen war die Tour nämlich falsch ausgeschrieben worden: Nachdem wir Fabrizio erstmal die ersten ‚wie sagt man eigentlich auf Italienisch … ‚ Fragen gestellt hatten, entwickelte sich die Tour zu einer echten Italiano per Stranieri-Unternehmung und wir haben viel dazugelernt.

Auf der Hütte herrschte das übliche Wochenendgedränge, jedoch wohlorganisiert, gelassen und freundlich, so dass wir unseren ‚Feierabend‘ geniessen konnten. Zum Znacht wurden wir mit einem leckeren Gulasch verwöhnt, das unsere britischen Tischnachbarn in der Annahme bestärkt hat, dass es auch ohne EU geht. Well …
Zuletzt waren alle Töpfe leer und damit war das gute Wetter für den nächsten Tag gesichert.

Tatsächlich waren wir die Ersten beim Frühstück, denn als preferred customers hatten wir noch einen 30 Minuten früheren Termin herausschinden können. So gelang uns ein Start in der Dämmerung und am milden, windlosen Morgen konnten wir die aufgehenden Planeten Venus und Jupiter bestaunen, bevor der Himmel zu hell wurde. Schnell hatten wir den Leckipass (2892 m) erreicht und vor uns lag sanft und harmlos der kleine Rest des Muttengletschers. Hurtig die Felle abgezogen und dann gings, mit aufmerksamem Blick nach links, hinunter in den Schatten.

Das Gross Muttenhorn 3099 m hinten rechts

Kurz vor dem Sattel unter dem Gipfel

Nachdem wir erstmal die drei Muttenhörner auseinandersortiert hatten, war unsere Aufstiegroute bald identifiziert und ab Höhe 2460 m unter die neuerlich montierten Felle genommen. Dann … zog es sich doch noch ein bisschen, bis in den Sattel (2935 m) zwischen Chli- und Gross Muttenhorn hinein und dort hat uns dann auch ein schneller Einzelgänger überholt.

Der ‚Ueberholer‘ am Grat

Kirsten am Grat

Nachzuegler kurz vor dem Gipfel

Ab hier galts ernst, zumindest bastelten wir uns die Zwölfzacker unter die Füsse und fassten den Pickel an der Haue. Die Skis waren fürs erste auf den Rucksack verbannt. Zum Glück waren die Tritte und Griffe stabil und stets in bequemem Steigeisen- und Handschuhformat, so dass wir schwer schnaufend, aber unschwierig die letzten Meter zum Gipfel bewältigten. Während der Gipfelrast versammelte sich dann doch noch ein Grüppchen von gesamt 10 Personen und wir büssten unsere schöne Einsamkeit schliesslich ein.

Blick vom Gipfel ins Obergoms

Die richtige Abfahrt

Die falsche Abfahrt

Nach skeptischen Blicken in die Tiefe und eingehender Beratung haben wir dann den Plan A fallen lassen und sind nicht die steile Schneerinne hinunter auf den Muttgletscher gegangen. Stattdessen haben wir einen Plan B entwickelt und sind auf einer schon recht mobilen Firnfläche nach Süden hinunter, dem Saasbach entlang ins Gerental abgefahren. Dort erwartete uns übelstes Herumgestakse auf einer nicht enden wollenden Kette von grossen, alten Lawinenkegeln. Die steilen SW-Hänge in Höhe der Baumgrenze hatten die Anweisungen des Lawinenbulletins nämlich getreulich befolgt und hatten sich komplett entladen. Gross war die Freude, als wir bei 1646 m endlich eine kleine Forststrasse erreichten und mit den Lawineneisbollen endlich Schluss war.

Noch eine letzte Rast an der sonnigen Geishitte, wo die letzten Tropfen Tee in durstigen Kehlen zischten. Dann einige sportlich engagierte Stockschübe mit den schon müden Armen, zuletzt unter malerischen Maiensässen hindurch und der Bahnhof von Oberwald im Obergoms war unser. Ruckzuck mit dem Bähneli in den Furka-Basistunnel hinein und als es wieder hell wurde, waren wir auch schon wieder in Realp. Voilà: Von Uri ins Obergoms und zurück 🙂

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