Versuch Überschreitung Lenzspitze – Nadelhorn (26. – 27. Juli 2016)

Auf die Initiative von Mike hin fassten wir den Entschluss, mal wieder ein Tourenziel im Wallis anzugehen. Schnell konnten wir uns für die Überschreitung der Lenzspitze zum Nadelhorn begeistern und ebenso schnell meldeten sich auch zwei Tourenpartner auf die Ausschreibung: Phil und Sämi. Wir planten, die Lenzspitze von der Domhütte über den Gletscher anzugehen und dabei den brüchigen Südgrat der Lenzspitze in Kauf zu nehmen, weil so die Kletterei in Dunkelheit (bei Ausgangspunkt Mischabelhütte) entfällt. Wir erwarteten, auf diesem Weg schneller auf der Lenzspitze zu sein.

Kurz vor Visp erreichte uns im Zug die Nachricht von Phil, der sich von der Tour abmelden musste, nachdem er aufgrund eines verspäteten Zuges seinen Flug nicht mehr erwischen konnte. So beschlossen wir, ein Seil in Visp zu deponieren und die Tour als 3er-Seilschaft anzugehen.

Randa

Randa

 

Der Hüttenweg von Randa führt erst steil durch schöne Lärchenwälder, die sich mehr und mehr lichten und so einen grossartigen Blick aufs imposante Weisshorn erlauben, welches bisweilen aus den Quellwolken herausschaute. Nach der Europahütte führt der gut markierte Weg über einige Felsstufen erneut steil zur Domhütte. Dabei erleichtern Steigbügel und Stahlkabel die Fortbewegung; viel schöner als das ganze Eisen sind jedoch die in Handarbeit angelegten Steintreppen, die elegant in die Felslücken hinein gebaut wurden.

Steintreppen beim Hüttenzustieg

Steintreppen beim Hüttenzustieg

 

Nach gut 2.5h erreichten wir die Hütte und inspizierten den ersten Teil des Zustiegs über die Moräne auf den Gletscher.

Mike beim Hüttenzustieg

Mike beim Hüttenzustieg

 

Die Domhütte und im Hintergrund das in Wolken gehüllte Weisshorn.

Die Domhütte und im Hintergrund das in Wolken gehüllte Weisshorn.

 

In der renovierten Domhütte sind die 6er-Zimmer zwar sehr gemütlich, die Nacht jedoch weiterhin sehr kurz. Pünktlich um 3 Uhr starteten wir in die Dunkelheit der feucht-warmen, nebligen Nacht. Dank dem klaren Abendhimmel am Vortag konnte die Schneedecke immerhin teilweise gefrieren, sodass wir den Festigletscher trotz aufgehender Spalten noch einigermassen gut begehen konnten. Nach und nach überholten wir die anderen Seilschaften, sodass wir an zweiter Stelle in die trockenen Felsen beim Festijoch einsteigen konnten.

Morgenstimmung auf dem Hobärggletscher – Matterhorn bis Weisshorn.

Morgenstimmung auf dem Hobärggletscher – Matterhorn bis Weisshorn.

 

Da trennten sich die Wege: einige Domaspiranten stiegen in den Festigrat ein, andere gingen den Dom über die Normalroute an; die Lenzspitze hatte ausser uns niemand im Sinn. Wir stiegen über eine kleine Eisflanke auf den Hobärggletscher ab, wo uns eine gute Spur um die beeindruckenden Längsspalten herum führte.

Entlang den Längsspalten des Hobärggletschers. Im Hintergrund (v.l.n.r.): Nadelhorn, Lenzspitze, Gendarm

Entlang den Längsspalten des Hobärggletschers. Im Hintergrund (v.l.n.r.): Nadelhorn, Lenzspitze, Gendarm

 

Auf dem grossen Plateau angelangt verliessen wir diese Spur in Richtung Lenzjoch. Der Bergschrund liess sich nach kurzer Suche gut überwinden, sodass wir etwas nördlich des Lenzjochs beim zweiten Turm in Nordwandambiente die steile Flanke (50°) in teilweise etwas hartem Firn erklimmen konnten.

Mike nach beim Erreichen der Felsen nach der steilen Eisflanke. Im Hintergrund die Domaspiranten auf dem Normalweg über die spektakuläre Schneebrücke.

Mike beim Erreichen der Felsen nach der steilen Eisflanke. Im Hintergrund die Domaspiranten auf dem Normalweg über die spektakuläre Schneebrücke.

 

Pünktlich nach vier Stunden gelangten wir auf den Grat, wo sich ein eindrücklicher Blick in die Abgründe des schon stark wolkenverhangenen Saasertals bot.

Mike und Sämi auf dem Südgrat der Lenzspitze.

Mike und Sämi auf dem Südgrat der Lenzspitze.

 

Wir genossen die Kletterei in dieser wilden Umgebung, die exponiert über den technisch einfachen, aber teilweise sehr brüchigen Grat führt. Die Routenführung gestaltete sich meist einfach, nur etwas Neuschnee auf den abwärtsgerichteten Platten erforderte entsprechende Vorsicht.

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Mike und Marco vor dem Verbindungsgrat Lenzspitze – Nadelhorn.

 

Sämi und Mike in einem kleinen Quergang im Bruch der Ostflanke.

 

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Noch etwas Neuschnee auf den Platten.

Noch etwas Neuschnee auf den Platten.

 

Abstieg über den Festigletscher - viel Feuchtigkeit in der Luft.

Abstieg über den Festigletscher – viel Feuchtigkeit in der Luft.

Schon verdunkelten sich die Quellwolken im Saastal und bald mussten wir feststellen, dass wir zu langsam unterwegs waren und den gesetzten Zeitplan nicht einhalten konnten. Aufgrund der sehr instabilen Wetterlange und dem Rückstand entschlossen wir uns kurz vor dem grossen Gendarmen für einen Abbruch der Tour. Nach einem kurzen Zwischenhalt bei der Domhütte erreichten wir nach 17 Uhr den Bahnhof Randa im gerade einsetzenden Gewitterregen.

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Auch wenn wir die Tour nicht wie geplant durchführen konnten, schenkte sie uns doch ein sehr eindrückliches Bergerlebnis. Deswegen und auch weil Rückzüge zum Bergsteigen gehören, soll die Tour auch ohne Gipfelerfolg in die AAC Basel Tourenberichte Eingang finden.

Vielen Dank Sämi und Mike für die schönen zwei Tage! Lasst uns die Tour nächstes Jahr nochmals angehen.

 

Route: Randa (1408m) – Domhütte (2940m) – Lenzjoch (4121m) – Lenzspitze (4294m) – Nadelhorn (4327m) – Mischabelhütte (3335m) – Saas-Fee (1809m) (ZS+, E4)

TN: Sämi Bernhard, Marco Bruni, Mike Devereux

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