Fasnachts Skitour Albula-Komfort (29.2.-4.3.2020)

Es hatte eine gemütliche, kleine Durchquerung der Albula-Gruppe, vom Julier Pass zum Piz Kesch werden sollen. Das Wetter wollte es anders …

1. Tag: In Tiefenkastel trafen sich am Samstag Mittag Skifahrer und Splitborder (‘Surfst Du schon, oder bastelst Du noch?’) im Bus Richtung Bivio, um dann bei trübem Wetter gemütlich von Sur (1600m) auf die Alp Flix zu wandern. Durch einen früheren Feldversuch wussten wir, wen man fragen muss und so fanden wir zur Übernachtung das passend benamste ‘Forscherhaus’ in Salategnas (1976m) vorgeheizt und ganz für uns alleine zum Nutzen vor. Die Pasta war schnell fertig und schmeckte uns mit dem mitgebrachten Sugo all’Amatriciana und einem feinen Nero jetzt gut 🙂

Das ‚Forscherhaus‘ auf der Alp Flix. Ein Quartier für Forscher aller Art, die im Zusammenhang mit dem Projekt ‚Schatzinsel Alp Flix‘ tätig sind.

2. Tag: Der Sonntag begann nicht allzu vielversprechend. Bei diffusem Licht wanderten wir durch ein sanftes Tal dem Lai Blo entgegen, um von dort kurz und knackig auf den Westgrat des Piz d’Agnel hinauf zu ziehen. Zu unserer Freude machte der Himmel jetzt endlich auf wir konnten unsere tolle Umgebung auch sehen. Weil der Grat zur einen Hälfte sehr hart und eisig, zur anderen Hälfte aber abgeblasen war, entschieden wir uns auf 2730m gleich für die Steigeisen und packten die Skis auf den Rucksack.

Der Grat zum d’Agnel ist erreicht und das Wetter wird besser

Das grosse Gepäck auf dem Rücken, der Sturm der uns um die Ohren pfiff, der dunkelblaue Himmel und die Kälte, die dicken Reif auf die Felsen zauberte liessen uns denken: Das ist ja ein tolles Himalaya-Training!

Auf hartem Schnee unterwegs zum Piz d’Agnel

Aus der Entfernung hatten wir einmal zwei Tourengeher in einer Scharte entdeckt, aber als wir den Gipfel des Piz d’Agnel (3204m) erreichten, gehörte er uns allein, wie wir auch sonst den ganzen Tag die Berge für uns hatten. Weil die Abfahrt zur Jenatsch-Hütte von dort aus schöner ist, entschieden wir uns in der Fuorcla da Flix noch die Tschima da Flix (3301m) mitzunehmen und buckelten unsere Bretter dann dort hinauf. Um 17 Uhr erreichten wir müde die Chamanna Jenatsch (2653m), nach neun Stunden auf den Beinen (Pausen im Stehen. Zu kalt und windig um sich hinzusetzen). Trotzdem spürte man an diesem Tag dann eher den Rücken als die Beine… Völlige Entspannung in der genial gelegenen Hütte, in der bei insgesamt 4 Gästen auch kein Dichtestress aufkam.

Piz d’Agnel Nordflanke

 

3. Tag: Früh am Montag lachte noch der blaue Himmel, aber als wir in die lange Traverse in Richtung Piz Laviner starteten, war davon nichts mehr zu sehen. Auf hartem Untergrund wackelten wir auf unseren Harscheisen durch Absturzgelände und wünschten uns ein bisschen ‘Bremsschnee’.

Die Sicht wird schlechter. Wenigstens hier ist das Gelände harmlos.

 

Dann wurde um uns herum alles weiss und wir waren glücklich, dass wegen dem wenigen Schnee noch viele dunkle Punkte zur Orientierung blieben. Je mehr wir an Höhe gewannen, desto mehr nahm der Wind zu und immer öfter half uns die GPS-Ortung auf dem richtigen Weg zu bleiben.

Die Sicht wird schlechter und der Wind bläst uns bald um.

Den Piz Laviner liessen wir grosszügig links liegen und überschritten bei ca. 3020m den Sattel im SE. Mit Sicht wäre die Abfahrt ins Val Mulix sicher ein grosses Vergnügen gewesen. Aber statt die zunehmende Schneemenge zu geniessen, hielten wir uns vorsichtig vom allzu üppigen Triebschnee fern und manövrierten langsam talwärts. Endlich erreichten wir die ersten Lärchen und einige schöne Schwünge im Pulver waren uns doch noch gegönnt. Abenteuerliche Bachüberquerungen und Parcour-Skiing durch den Wald im besten AACB-Stil rundeten die Abfahrt harmonisch ab. Müde und glücklich gings mit der Bahn von Preda nach Bergün, wobei der RhB Schaffner seinem SBB Kollegen (auf dem Weg ins Tessin) in nichts nachstand 🙂 Nur wenige Schritte vom Bahnhof empfing uns das Hotel Kurhaus in perfekt erhaltenem Jugendstil. Das Hotel und sein Frühstücksbuffet sind eine Reise wert!

 

4. Tag: Als wir am Dienstag Morgen den Schnee vor dem Hotel und die tiefhängenden Wolken begutachteten war schnell klar, dass Wetterbericht und Lawinenbulletin recht hatten: Dies war kein Tag um über Tschimas da Tisch und Val Plazbi zur Chamanna d’Es-cha zu gehen. Auch der d’Es-cha Hüttenwart riet von einer Piz Kesch-Besteigung schon am Mittwoch ab. Unser ursprünglicher Plan war damit hinfällig. Statt Trübsal zu blasen machten wir uns auf den Weg nach Bivio, um dort mit Lifthilfe unsere Spuren in den tiefen, schweren Pulverschnee zu zeichnen.

Bivio bei schönem Wetter, hier als Postkarte

 

Um 15 Uhr war es Zeit einzupacken und ein paar Einkäufe zu erledigen. Robin hatte inzwischen Hunger auf Fajitas mit Gemüse-/ Pouletfüllung bekommen. Unser neues Ziel war das weithin unbekannte Cotschen-Biwak (2170m) oberhalb von Bos-cha im Unterengadin. Erst in der Dämmerung, dann im Mondlicht stiegen wir dort hinauf um uns sofort an die Haushaltsarbeit zu machen (WC ausgraben, Schnee schmelzen, kochen, etc.).

Aufstieg von Bos-cha zum Cotschen-Biwak

 

Poulet und Gemüse Fajitas im Cotschen-Biwak

 

5. Tag Wer spurt nicht gerne, bei blauem Himmel und 30-40cm frischem Pulver? Den Weg zum Piz Cotschen kannten wir schon und entsprechend zügig ging es bergan. In den steileren Hängen oberhalb der Chamonna Cler und am Grat zum Vorgipfel hätte es auch nicht noch mehr Neuschnee sein dürfen. Am Vorgipfel (2972m) liessen wir es dann gut sein, zumindest das Skigelände endet hier sowieso. Die Abfahrt über steile und weite Hänge war ein Rausch im Tiefschnee, vgl. Abb..

Den SE-Grat zum Piz Cotschen hinauf spuren

 

Gipfelglück Piz Cotschen

 

Skifahrer im Abfahrtsglück

Snowboarder im Abfahrtsglück

Auf dem Heimweg vom Unterengadin nach Basel ist den anderen Zugspassagieren das zufriedene Grinsen wohl aufgefallen 😉

Teilnehmer: Robin, Matthias

 

 

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